Umfrage der Initiative www.keinepartei.info
"Stellen Sie sich vor, Sie würden zur Wahl gehen
und Sie könnten auf dem Wahlzettel zusätzlich
zu den bekannten Parteien auch die Option
'Keine Partei' ankreuzen."
(wörtlich gemeint! nicht etwa, dass eine
Gruppierung sich mit diesem Namen schmückt)

Was meinen Sie dazu?

So lautete meine Umfrage, an der in der ersten Julihälfte 2009
in der Region Osnabrück 300 per Zufall ausgesuchte Personen
teilgenommen haben.

Vor Abgabe der Antwort wurden keine Diskussionen geführt,
allenfalls Fragen zum Verständnis geklärt.

6 Antwort-Optionen (siehe Ergebnisse im Detail)

Zusammenfassung

Erhebung:

Befragt wurden 300 Personen in den Einkaufsbereichen der Region Osnabrück in der ersten Julihälfte 2009.

Männliche Teilnehmer: 161
Weibliche Teilnehmer: 139

Altersverteilung:
18 - 25 = 78
26 - 35 = 46
36 - 50 = 84
50 - 80 = 88

(die Altersgruppe 26-35 ist etwas unterrepräsentiert)

Die Auswahl erfolgte per Zufall durch persönliche Ansprache. Vor Befragung wurde lediglich bekanntgegeben, dass es sich um eine "politische Umfrage" handelt, nicht jedoch der genaue Wortlaut der Frage. Rückfragen zur Bedeutung der Fragestellung wurden im Einzelfall geklärt (es wurde des öfteren nachgefragt, ob das wörtlich gemeint sei, oder ob sich etwa eine neue Gruppierung mit diesem Namen schmückt).

In der Diagrammdarstellung sind die angegebenen Prozentzahlen gerundet und ergeben im Einzelfall wegen der verschiedenen Teilnehmerzahl (m: 161 / w: 139) in der Summe nicht immer genau 100 Prozent.

Fragestellung:

"Stellen Sie sich vor, Sie würden zur Wahl gehen
und Sie könnten auf dem Wahlzettel zusätzlich
zu den bekannten Parteien auch die Option
'Keine Partei' ankreuzen."

Dazu die folgenden Antwortoptionen:
- finde ich ganz klar gut
- finde ich eher gut
- ich bin untentschieden
(ich bin politisch interessiert, kann aber weder ja noch nein dazu sagen)
- ich bin untentschieden (Politik interessiert mich nicht)
- finde ich eher nicht gut
- finde ich ganz klar nicht gut

Weitere Angaben: Geschlecht und Alter.

Einflussfaktoren:

Am letzten Befragungstag, dem 18.07.09, zeigte sich deutlich der Unmut der Befragten über das Auseinanderbrechen der Koalition in Schleswig-Holstein. An diesem Tag befragte ich überwiegend Menschen von 36 Jahren an aufwärts, die bis dahin vergleichsweise "leicht negativ" tendierten. Durch die Ereignisse in Schleswig-Holstein war die Stimmung an diesem Tag jedoch eindeutig spürbar "positiv" gekippt. Dies beeinflusste das Ergebnis der Umfrage sicher um einige Prozent.

Dem steht auf der anderen Seite gegenüber, dass viele Menschen, die zunächst die Antwortoption "finde ich eher nicht gut" wählten, nach einem anschließenden klärenden Gespräch einen neuen Blick auf die Problematik gewannen und sagten, dass sie es dann doch gut fänden. Auch dies beeinflusste das Ergebnis um einige Prozent, wahrscheinlich sogar mehr als der oben genannte Einfluss durch die Schleswig-Holstein-Ereignisse.

Ergebnis:

Die Umfrage zeigt auf den ersten Blick eine klare Polarisierung:
Pro = 44%
Contra = 41%
Enthaltung = 15%

In der Unterscheidung männlich/weiblich zeigt sich auf der Seite der Ablehnung ein deutlich stärkerer männlicher Anteil (m = 44,1% / w = 37,4%), dem ein deutlich stärkerer weiblicher Anteil bei den Enthaltungen gegenübersteht (m = 11,2% /w = 19,4%). Der Grad der Zustimmung ist bei beiden nahezu identisch.

Die Differenzierung gemäß der 6 Antwortoptionen zeigt deutlich, dass die Form der Zustimmung überwiegend "moderat" gewählt wurde: "finde ich eher gut" (25%) - während die Form der Ablehnung überwiegend "mit Nachdruck" gewählt wurde: "finde ich ganz klar nicht gut" (25%).

Die auf die Enthaltung entfallenden 15% zeigen deutlich, dass der Anteil der "politisch Uninteressierten" sehr gering ist: 10,7% geben an, dass sie politisch interessiert sind, aber weder ja noch nein dazu sagen können - dem stehen nur 4,3% gegenüber, die von sich sagen, dass sie Politik nicht interessiert
(hier ist anzumerken, dass der Prozentsatz wohl höher ausgefallen wäre, wenn die Angesprochenen nicht vorher gewusst hätten, dass es sich um eine politische Umfrage handelt).

Weitere Differenzierung der Ergebnisse in männlich/weiblich zeigt folgendes:

Zustimmung:
Hier fällt auf, dass die unterschiedliche Gewichtung der Zustimmung, die in der Differenzierung sichtbar wird ("finde ich ganz klar gut" / "finde ich eher gut"), allein auf das Konto der weiblichen Teilnehmer geht: 15,8% zu 28,1% (während sich die männlichen Teilnehmer in diesen beiden Antwortoptionen mit 21,7% zu 22,4% ziemlich genau die Waage halten).

Enthaltung:
Hier fällt auf, dass nur 0,6% der männlichen Teilnehmer "politisch uninteressiert" angegeben haben, von den weiblichen Teilnehmern aber 8,6%.

Ablehnung:
Hier sind die Ergebnisse weitgehend proportional.

Differenzierung nach Altergruppen:

18 - 25 Jahre:
Deutlich mehr Zustimmung als Ablehnung (43,9% zu 30,5%) und der größte Anteil an Enthaltungen (25,6%).

26 - 35 Jahre:
Etwas weniger Zustimmung als Ablehnung (39,1% zu 43,5%) und der zweitgrößte Anteil an Enthaltungen (17,4%).

36 -50 Jahre:
Deutlichster Grad der Zustimmung (51,2% zu 42,9%) bei extremer Polarisierung (Enthaltungen nur 6,0%). (dieses Ergebnis ist vermutlich beeinflusst durch den Zeitpunkt der Befragung bei Eintreten der Ereignisse in Schleswig-Holstein: Koalitionsbruch)

über 50 Jahre:
Deutlich weniger Zustimmung als Ablehnung (39,8% zu 47,7%) und der zweitniedrigste Anteil an Enthaltungen (12,5%), also auch hier eine relativ starke Polarisierung.

Weitere Bemerkungen:

Während der Befragung fiel mir auf, dass viele Menschen zunächst "keine Zeit" hatten. Bei Sichtung der Frage überlegten sie aber doch 5 Minuten hin und her, was sie darauf antworten sollten, und sie bestätigten mir ausdrücklich, dass dies wirklich eine gute Frage sei, über die sich zu diskutieren lohne. Dies betrifft ausdrücklich auch diejenigen, die mit der Option "finde ich eher nicht gut" geantwortet haben.
Wenn ich bei meiner Befragung auf ein Grüppchen junger Menschen stieß, entfachte sich unter diesen oft eine lange Diskussion. Die Frage bewegt anscheinend die Gemüter und trifft großenteils den Nerv der Bevölkerung. Was wäre, wenn man diese Frage in den großen Medien öffentlich diskutieren würde?...

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© Andreas Freier, Mettingen 2009